PFAS vermeiden: Was gegen Ewigkeitschemikalien in deiner Küche wirklich hilft

Antihaftpfanne, Pizzakarton, Regenjacke: PFAS begegnen dir öfter, als du denkst. Die Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe von mehreren tausend künstlich hergestellten Chemikalien. Weil sie in der Natur praktisch nicht abgebaut werden, heißen sie auch Ewigkeitschemikalien (Umweltbundesamt).
Genau das macht PFAS zu einem ernsten und dauerhaften Problem für Umwelt und Gesundheit. Was einmal freigesetzt ist, bleibt: in Böden, im Grundwasser und in unserem Blut. Einige PFAS stehen mit einer schwächeren Immunantwort auf Impfungen in Verbindung, eine Verbindung gilt als krebserregend, und in Mittelbaden und Mannheim sind über 1.600 Hektar Boden belastet. 2026 sind deshalb strengere Regeln für Trinkwasser und Lebensmittelverpackungen in Kraft getreten, und die EU berät über eine Beschränkung der gesamten Stoffgruppe.
Hier erfährst du, was über die Risiken bekannt ist, wo PFAS herkommen und was du tun kannst: beim Wasser, in der Küche, bei Alltagsprodukten und gegenüber Herstellern.
Was sind PFAS, und warum heißen sie Ewigkeitschemikalien?
PFAS stoßen Wasser, Fett und Schmutz ab, vertragen große Hitze und gehen kaum Verbindungen mit anderen Stoffen ein. Deshalb stecken sie in Antihaftbeschichtungen, Regenkleidung, Kosmetik oder fettabweisendem Papier. Dieselbe Robustheit wird draußen zum Problem: Gelangen PFAS in die Umwelt, sind sie dort noch Jahrzehnte später nachweisbar, sammeln sich an und finden über Nahrung und Trinkwasser den Weg zurück zu uns (BAuA).
Auch im Körper bleiben sie lange. Langkettige PFAS wie PFOA und PFOS haben beim Menschen Halbwertszeiten von mehreren Jahren: So lange dauert es, bis ihr Gehalt im Körper auf die Hälfte gesunken ist. Wer regelmäßig kleine Mengen aufnimmt, reichert sie deshalb mit der Zeit an (BfR, 2025). Dazu kommt eine große Wissenslücke: Nur ein kleiner Teil der vielen tausend PFAS ist überhaupt auf seine gesundheitlichen Wirkungen untersucht (Verbraucherzentrale, 2026).
Was PFAS im Körper bewirken können
Wie viel ist zu viel? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2020 die vier am besten untersuchten Verbindungen bewertet: PFOA (Perfluoroctansäure), PFOS (Perfluoroctansulfonsäure), PFNA und PFHxS. Für ihre Summe legte sie eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge fest, kurz TWI (vom englischen „tolerable weekly intake“). Das ist die Menge, die man nach heutigem Wissen ein Leben lang jede Woche aufnehmen kann, ohne dass ein Gesundheitsrisiko zu erwarten ist. Sie liegt bei 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche, also bei rund 264 milliardstel Gramm für einen Menschen mit 60 Kilogramm. Maßstab war die empfindlichste beobachtete Wirkung: Kinder mit höheren PFAS-Werten im Blut bildeten nach Impfungen weniger Antikörper. Teile der europäischen Bevölkerung überschreiten den TWI (EFSA, 2020).
Das ist nicht der einzige Befund. In Studien am Menschen gingen höhere PFOS- und PFOA-Werte mit höheren Cholesterinwerten und einem geringeren Geburtsgewicht von Neugeborenen einher, bei mehr PFOA im Blut war außerdem ein Leberwert erhöht. In Tierversuchen schaden PFOA und PFOS der Entwicklung des Nachwuchses und können Fettstoffwechsel, Schilddrüsenhormone und Immunsystem beeinträchtigen (BfR, 2025). Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erhöhen manche PFAS zudem das Risiko für Nierenkrebs oder verringern die Fruchtbarkeit (BAuA).
Für zwei Vertreter gibt es eine Krebs-Einstufung: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bewertet PFOA als krebserregend für Menschen und PFOS als möglicherweise krebserregend (Zahm et al., 2024). Ob die in der Bevölkerung üblichen Mengen das Krebsrisiko messbar erhöhen, lässt sich nach Einschätzung der EFSA aus den bisherigen Studien noch nicht eindeutig sagen (BfR, 2025).
Klar ist: Weil sich PFAS über Jahre anreichern, zählt nicht die einzelne Mahlzeit, sondern was sich über lange Zeit summiert. Deshalb wirken dauerhafte Veränderungen, im eigenen Alltag und vor allem dort, wo PFAS in die Umwelt gelangen.
PFAS in Deutschland: Blutwerte, Böden, Wasser
Wie weit die Stoffe verbreitet sind, zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamts (UBA) an über 1.100 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren. PFOS fand sich im Blut aller untersuchten Kinder, PFOA in 86 Prozent der Proben. Bei gut jedem fünften Kind lag der PFOA-Gehalt über dem sogenannten HBM-I-Wert (HBM steht für Human-Biomonitoring, also die Messung von Schadstoffen im Körper). Liegt ein Wert darunter, sind nach heutigem Wissen keine gesundheitlichen Folgen zu erwarten. Darüber lassen sie sich nicht mehr sicher ausschließen (Umweltbundesamt, 2020).
Auch Böden und Grundwasser sind betroffen, und solche Altlasten lassen sich kaum beseitigen. In Mittelbaden wurde vermutlich mit Papierschlamm vermischter Kompost auf Äckern verteilt. Von gut 3.100 untersuchten Hektar gelten dort rund 1.100 als belastet, in Mannheim kommen weitere 545 Hektar hinzu (Stand 2022). Von den Feldern gelangen PFAS ins Grundwasser, und eine großflächige Sanierung von Boden und Grundwasser ist mit verhältnismäßigem Aufwand vorerst nicht möglich. Ernten werden dort vor dem Verkauf kontrolliert, und Wasserversorger mussten Maßnahmen ergreifen, um die Grenzwerte einzuhalten (Regierungspräsidium Karlsruhe, 2022).
Ein eigener Fall ist Trifluoressigsäure (TFA), ein besonders kleines PFAS-Molekül. TFA entsteht unter anderem, wenn sich fluorhaltige Kältemittel in der Atmosphäre zersetzen oder bestimmte Pflanzenschutzmittel abgebaut werden. Inzwischen wird TFA europaweit in Meeren, Flüssen und Seen, im Grundwasser, im Trinkwasser und im Regen nachgewiesen, laut einer Studie im Auftrag des UBA auch in deutschen Böden. Übliche Verfahren der Wasserwerke wie Aktivkohle entfernen TFA nicht nennenswert, nur die aufwendige Umkehrosmose wirkt. Im Juni 2026 hat der Risikobewertungsausschuss der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) empfohlen, TFA als fortpflanzungsgefährdend einzustufen: Der Stoff kann demnach das ungeborene Kind schädigen (Umweltbundesamt, 2026).
Wo PFAS herkommen: Wasser, Böden und auch Obst
Den Großteil nehmen wir über Essen und Trinkwasser auf. Besonders häufig weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) PFAS in tierischen Lebensmitteln nach, die auf einem pflanzlichen Teller ohnehin fehlen. Für dich bleiben vor allem zwei Wege: Trinkwasser, das das BfR ausdrücklich als relevante Quelle nennt, und pflanzliche Lebensmittel, die ebenfalls messbare Mengen enthalten können (BfR, 2025).
Auch Obst und Obstprodukte gehörten in der Auswertung der EFSA zu den Lebensmittelgruppen mit dem größten Beitrag zur Aufnahme (EFSA, 2020). Warum ausgerechnet Obst? Weil PFAS weltweit in Böden, Gewässern und Pflanzen nachweisbar sind, und wer täglich Obst isst, summiert auch kleine Gehalte. Die Konsequenz ist aber nicht, weniger Obst zu essen. Obst und Gemüse bleiben das Fundament einer gesunden Ernährung, wie auch die aktuelle DGE-Empfehlung zeigt. Die Lösung liegt an der Quelle: PFAS gar nicht erst in Böden, Wasser und Lebensmittel gelangen zu lassen. Genau da setzen die neuen Regeln an.
Pflanzlich essen: ein echter Vorteil, aber kein Schutzschild
Wie viel bringt eine pflanzliche Ernährung? Das BfR hat das in der Berliner RBVD-Studie untersucht (die Abkürzung steht für „Risks and Benefits of a Vegan Diet“), mit 36 Veganer:innen und 36 Mischköstler:innen. Das Ergebnis ist differenziert. Im Blut der Veganer:innen fand sich im Mittel deutlich weniger PFOS (2,31 gegenüber 3,57 Nanogramm pro Milliliter) und weniger PFNA. Bei PFOA und PFHxS gab es dagegen keinen nennenswerten Unterschied. PFOA hing in der Studie am stärksten damit zusammen, wie viel Wasser jemand trank (Menzel et al., 2021).
Für dich heißt das: Wer pflanzlich isst, lässt einige der wichtigsten Quellen schon heute weg. Ganz PFAS-frei macht das niemanden, denn Wasser und Umwelt betreffen alle, und die Studie war klein. Deine Ernährung ist also bereits ein guter Hebel. Die übrigen Stellschrauben heißen Wasser, Kochgeschirr, Verpackung und Alltagsprodukte.
Und für die langkettigen Omega-3-Fettsäuren gibt es mit Algenöl eine rein pflanzliche Quelle. Alles dazu steht in unserem Beitrag Omega-3 vegan: Warum Algenöl die beste Quelle ist.
Leitungswasser: Seit Januar 2026 gilt ein PFAS-Grenzwert
Fürs Leitungswasser hat sich 2026 etwas Wichtiges getan. Seit dem 12. Januar 2026 darf die Summe von 20 PFAS (im Fachjargon „Summe PFAS-20“) im Trinkwasser 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten. Ab dem 12. Januar 2028 kommt ein fünfmal niedrigerer Grenzwert hinzu: 0,02 Mikrogramm pro Liter für die vier besonders kritischen Stoffe PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS, die „Summe PFAS-4“ (Trinkwasserverordnung, Anlage 2). Das oben beschriebene TFA gehört nicht zu diesen 20 Stoffen. Für TFA gibt es stattdessen einen gesundheitlichen Leitwert des UBA von 60 Mikrogramm pro Liter, der nach dessen Einschätzung auch bei lebenslanger Aufnahme schützt (Umweltbundesamt, 2026).
Wie die Werte bei dir aussehen, musst du nicht raten. Dein Wasserversorger muss dich mindestens einmal im Jahr verständlich über die Wasserqualität informieren und dir auf Nachfrage auch einzelne Messergebnisse zugänglich machen (§ 45 Trinkwasserverordnung). Ein Blick in diese Information oder eine kurze Mail an den Versorger genügt.
Ein Haushaltsfilter ist erst dann sinnvoll, wenn dein Versorger erhöhte PFAS-Werte meldet. Ohne konkreten Anlass halten Verbraucherschützer Filter für Leitungswasser aus gesundheitlicher Sicht für unnötig, denn in abgestandenem Filterwasser und in überalterten Kartuschen können sich rasch Keime vermehren (Verbraucherzentrale, 2026). Meldet dein Versorger tatsächlich erhöhte Werte, kommt es auf die Technik an: In einer US-Studie entfernten Umkehrosmose-Anlagen und zweistufige Filter unter der Spüle PFAS fast vollständig. Einfache Aktivkohlefilter schafften das nur teilweise und unterschiedlich gut (Herkert et al., 2020). Egal welcher Filter: Kartuschen regelmäßig wechseln und den Filter sauber halten.
Pfanne und Backform: PTFE richtig nutzen oder ersetzen
Die bekannteste Antihaftbeschichtung ist PTFE (Polytetrafluorethylen), vielen als Teflon bekannt. PTFE gehört selbst zu den PFAS (Verbraucherzentrale, 2026).
Beim Kochen selbst sind laut BfR bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Selbst winzige Teilchen, die sich von einer zerkratzten Pfanne lösen und versehentlich verschluckt werden, gelten als unbedenklich, weil PTFE reaktionsträge ist und unverändert ausgeschieden wird. Kritisch wird es bei Überhitzung: Ab etwa 360 Grad kann sich die Beschichtung zersetzen. Eine befüllte Pfanne erreicht diese Temperatur kaum, Gas- und Induktionsherde heizen eine leere Pfanne aber sehr schnell auf (BfR, 2025). Laut Verbraucherzentrale kann das schon nach zwei bis fünf Minuten passieren, dann entstehen giftige Dämpfe.
So nutzt du deine Antihaftpfanne sicher:
- Nie leer vorheizen, sondern immer mit Öl und Zutaten erhitzen.
- Mittlere Hitze reicht für fast alles, gerade auf Induktion und Gas.
- Holz- oder Silikonwender statt Metall schonen die Beschichtung.
- Stark zerkratzte Pfannen vorsorglich ersetzen, das rät die Verbraucherzentrale.
Das größere Problem liegt vor und nach der Nutzung: PFAS belasten schon bei der Herstellung die Umwelt und können bei der Entsorgung wieder frei werden, wenn PTFE bei weniger als etwa 1.000 Grad verbrannt wird (Verbraucherzentrale, 2026). Spätestens wenn deine Pfanne ohnehin fällig ist, lohnt sich deshalb ein PFAS-freies Modell:
- Edelstahl: nahezu unverwüstlich und spülmaschinenfest, braucht beim Anbraten etwas Übung.
- Gusseisen oder Schmiedeeisen: sehr langlebig und mit der Zeit dank Patina von selbst antihaftend, aber schwer und nichts für saure Speisen.
- Keramikbeschichtung: gute Antihaftwirkung, die allerdings mit der Zeit nachlässt. Achte auf die Angabe „PFAS-frei“, denn manche „Keramik“-Pfannen enthalten trotzdem PTFE.
Vorsicht bei „PFOA-frei“: Das bedeutet meist nur, dass ein bestimmter Stoff durch andere Fluorverbindungen ersetzt wurde. Verlässlich sind „PFAS-frei“ oder „fluorfrei“. Auch eine angegebene Höchsttemperatur unter 300 Grad oder ein Warnhinweis vor spitzen Gegenständen deutet auf eine PFAS-Beschichtung hin (Verbraucherzentrale, 2026).
Verpackungen: Was sich im August und Oktober 2026 geändert hat
Damit Papier und Karton kein Fett durchlassen, wurden sie oft mit PFAS behandelt. Die Verbraucherzentrale nennt etwa Pommes- und Gebäcktüten, Schalen aus Zuckerrohrfasern (Bagasse) und Verpackungen für Mikrowellenpopcorn (Verbraucherzentrale, 2026). Zwei neue EU-Regeln räumen hier gerade auf:
- Seit dem 12. August 2026 dürfen Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden, wenn sie PFAS oberhalb sehr niedriger Grenzwerte enthalten. Die liegen bei 25 ppb (parts per billion, also Milliardstel) für jede einzelne gemessene Verbindung, 250 ppb für deren Summe und 50 ppm (parts per million, Millionstel) für alle PFAS zusammen (Verpackungsverordnung (EU) 2025/40, Artikel 5).
- Seit dem 10. Oktober 2026 ist außerdem PFHxA (Perfluorhexansäure) samt verwandter Stoffe in Papier und Karton für Lebensmittel verboten, ebenso in Kleidung und Kosmetik. Ware, die vor diesem Datum in den Handel kam, darf noch abverkauft werden (Verordnung (EU) 2024/2462).
Für deinen Alltag heißt das: Neue Verpackungen müssen diese Grenzen einhalten, und bei älteren hilft ein einfacher Test. Perlt ein Tropfen Öl auf Papier oder Stoff ab, statt einzuziehen, wurden vermutlich PFAS eingesetzt (Verbraucherzentrale, 2026). Und wer Reste und vorgekochte Portionen in Glas- oder Edelstahldosen aufbewahrt, braucht beschichtete Einwegverpackungen gar nicht erst. Wie das im Alltag klappt, zeigt unser Meal-Prep-Guide für Anfänger.
Outdoorjacke, Imprägnierspray, Zahnseide: PFAS im Alltag
PFAS stecken nicht nur in der Küche. Die Verbraucherzentrale nennt unter anderem wasserabweisende Regen- und Outdoorkleidung, Membranen in Jacken und Wanderschuhen, Imprägniermittel für Textilien und Leder, Zahnseide, Skiwachs sowie Fleckschutz auf Teppichen, Polstern und Tischdecken. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es in der Regel nicht. Für Heimtextilien wie Teppiche greift das PFHxA-Verbot erst ab dem 10. Oktober 2027 (Verbraucherzentrale, 2026).
So erkennst und vermeidest du PFAS:
- Auf Werbebegriffe achten: „wasserabweisend“, „ölabweisend“, „fleckgeschützt“ oder „Anti-Fingerprint“ können auf PFAS hindeuten.
- „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorfrei“ wählen, am besten mit einem anerkannten Siegel. „PFOA-frei“, „PFOS-frei“ oder „GenX-frei“ schließen nur einzelne Stoffe aus.
- Kosmetik prüfen: Steht „PTFE“ oder ein Stoff mit „fluoro“ im Namen in der Inhaltsstoffliste, deutet das auf PFAS hin.
- Imprägniermittel mit PFAS nicht aufbrauchen, sondern zur Schadstoffsammlung bringen, damit sie nicht in die Umwelt gelangen.
Du kannst außerdem nachfragen. Für PFAS auf der EU-Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe gilt ein Auskunftsrecht: Stecken sie mit mehr als 0,1 Gewichtsprozent in einem Produkt, muss der Hersteller dir das auf Anfrage mitteilen. Die Verbraucherzentrale stellt dafür einen kostenlosen Musterbrief bereit (Verbraucherzentrale, 2026). Jede Anfrage zeigt dem Handel auch, dass Kundinnen und Kunden darauf achten.
Was Verbote bewirken und warum die EU die ganze Stoffgruppe beschränken will
Dass Regeln etwas bewirken, zeigen Blutproben aus der Umweltprobenbank des Bundes. Bei jungen Erwachsenen lagen PFOS und PFOA 1986 am höchsten. Heute erreichen sie nur noch rund zehn Prozent (PFOS) beziehungsweise 30 Prozent (PFOA) der damaligen Werte, bei PFNA und PFHxS sieht es ähnlich aus (Bundesumweltministerium, 2025). Eine Auswertung von Plasmaproben aus den Jahren 1982 bis 2019 bestätigt den Rückgang. Verschwunden sind die Stoffe aber nicht: PFOA und PFOS waren in jeder Probe der Jahre 2009 bis 2019 noch nachweisbar (Göckener et al., 2020).
Der Haken: Bei PFAS, die noch nicht oder erst seit Kurzem geregelt sind, ist dieser Trend bisher nicht zu sehen. Oft wurde ein geregelter Stoff einfach durch einen sehr ähnlichen ersetzt. Deshalb haben Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Schweden und Norwegen vorgeschlagen, die gesamte Stoffgruppe in der EU schrittweise zu beschränken. Die Fachausschüsse der ECHA prüfen den Vorschlag derzeit, danach entscheiden EU-Kommission und Mitgliedstaaten (BAuA).
Der Vorschlag umfasst rund 10.000 einzelne Stoffe, mit Übergangsfristen und Ausnahmen für unverzichtbare Anwendungen. Industrieverbände lehnen ihn ab, die Verbraucherzentrale NRW unterstützt eine Beschränkung der ganzen Gruppe, Fluorkunststoffe wie PTFE eingeschlossen (Verbraucherzentrale, 2026). Kommt die Beschränkung, könnte das laut BfR auch das Aus für PTFE-beschichtetes Kochgeschirr im Haushalt bedeuten.
Deine PFAS-Checkliste für Küche und Alltag
- Wasserwerte erfragen statt pauschal filtern. Dein Versorger muss dir die Messergebnisse zugänglich machen.
- Antihaftpfannen nie leer erhitzen und bei starken Kratzern ersetzen.
- Beim Neukauf Edelstahl, Gusseisen oder „PFAS-frei“ wählen, nicht nur „PFOA-frei“.
- Fettabweisende Einwegverpackungen meiden und Reste in Glas oder Edelstahl lagern.
- Bei Kleidung, Schuhen und Kosmetik auf „PFAS-frei“ oder „fluorfrei“ achten und im Zweifel die Ölprobe machen.
- Alte Imprägniermittel mit PFAS zur Schadstoffsammlung bringen, statt sie aufzubrauchen.
- Beim Hersteller nachfragen, zum Beispiel mit dem Musterbrief der Verbraucherzentrale.
- Pflanzlich bleiben: Damit lässt du einige der wichtigsten PFAS-Quellen über die Nahrung schon weg.
Fazit: Ein dauerhaftes Problem, das alle angeht
PFAS sind ein ernstes und dauerhaftes Problem für Umwelt und Gesundheit. Was heute in Böden und Gewässer gelangt, ist dort noch in Jahrzehnten nachweisbar, und was wir aufnehmen, scheidet der Körper erst über Jahre aus. Belastete Äcker lassen sich kaum sanieren, und bei gut jedem fünften untersuchten Kind lag PFOA im Blut über dem Wert, unterhalb dessen das Umweltbundesamt gesundheitliche Folgen ausschließt.
Entscheidend ist deshalb, PFAS an der Quelle zu stoppen. Die Regeln von 2026 für Trinkwasser und Verpackungen sind ein Anfang, die geplante EU-weite Beschränkung der gesamten Stoffgruppe wäre der größere Schritt. Du selbst kannst deine Belastung senken und Herstellern zeigen, was du erwartest: Wasserwerte kennen, Antihaftpfannen schonend nutzen und beim nächsten Kauf PFAS-frei wählen, Reste in Glas statt in beschichtetem Papier aufbewahren, Imprägniermittel richtig entsorgen und nachfragen, wo Angaben fehlen. Dass sich das lohnt, zeigen die Blutwerte der letzten Jahrzehnte: Weniger PFAS in der Umwelt heißt auch weniger PFAS im Körper.
Geprüfte Quellen (20)
Jede Quelle verweist auf die Originalarbeit. PubMed- und DOI-Links werden vor jeder Veröffentlichung automatisiert geprüft.
- Risk to human health related to the presence of perfluoroalkyl substances in food — EFSA CONTAM Panel et al. · EFSA Journal · 2020PMID 32994824
- Internal exposure to perfluoroalkyl substances (PFAS) in vegans and omnivores — Menzel J et al. · International Journal of Hygiene and Environmental Health · 2021PMID 34298317
- Human biomonitoring of per- and polyfluoroalkyl substances in German blood plasma samples from 1982 to 2019 — Göckener B et al. · Environment International · 2020PMID 32949877
- Carcinogenicity of perfluorooctanoic acid and perfluorooctanesulfonic acid — Zahm S et al. · The Lancet Oncology · 2024PMID 38043561
- Assessing the Effectiveness of Point-of-Use Residential Drinking Water Filters for Perfluoroalkyl Substances (PFASs) — Herkert NJ et al. · Environmental Science & Technology Letters · 2020DOI
- Kinder und Jugendliche haben zu viel PFAS im Blut — Umweltbundesamt · 2020
- Überblick PFAS-Problematik in Mittelbaden und Mannheim — Regierungspräsidium Karlsruhe · 2022
- FAQ: Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) — Umweltbundesamt · 2026
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV), Anlage 2: Chemische Parameter — Bundesministerium der Justiz · 2023
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 45: Regelmäßige Information der Anschlussnehmer und Verbraucher — Bundesministerium der Justiz · 2023
- Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle — Amtsblatt der Europäischen Union · 2025
- Verordnung (EU) 2024/2462 zur Beschränkung von PFHxA, ihren Salzen und PFHxA-verwandten Stoffen — Amtsblatt der Europäischen Union · 2024
- Gekommen, um zu bleiben: PFAS in Lebensmitteln und der Umwelt (FAQ) — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · 2025
- Ausgewählte Fragen und Antworten zu Geschirr mit Antihaftbeschichtung aus PTFE — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · 2025
- Ewigkeits-Chemikalien PFAS: Worin sie stecken und warum sie problematisch sind — Verbraucherzentrale · 2026
- Pfannen und PFAS: Wie gefährlich ist die Teflon-Beschichtung? — Verbraucherzentrale · 2026
- Wasserfilter: Sind sie aus hygienischer Sicht notwendig? — Verbraucherzentrale · 2026
- Wie haben sich PFAS-Belastungen in den letzten Jahren entwickelt? — Bundesumweltministerium · 2025
- Beschränkung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) — Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) · 2026
- PFAS sollen EU-weit beschränkt werden — Umweltbundesamt · 2023
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, ob mein Leitungswasser mit PFAS belastet ist?
Sind Teflonpfannen gefährlich?
Was bedeutet „PFOA-frei“ auf einer Pfanne?
Sind PFAS krebserregend?
Warum will die EU PFAS als ganze Gruppe beschränken?
Gehen PFAS in die Muttermilch, und sollte ich trotzdem stillen?
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