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Gesundheit

Vegane Ernährung in den Wechseljahren: Was die Wissenschaft über Hitzewallungen und Soja sagt

Vollblatt Redaktion
Frau genießt eine pflanzliche Mahlzeit mit Sojaprotein und frischem Gemüse

Die Wechseljahre bringen für viele Frauen spürbare Veränderungen mit sich: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme gehören zu den häufigsten Beschwerden. Rund 80 % aller Frauen erleben vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Doch aktuelle Forschung zeigt, dass die Ernährung eine erstaunlich wirksame Stellschraube sein kann — ganz ohne Hormontherapie.

Die WAVS-Studie: 84 % weniger Hitzewallungen

Die bislang aussagekräftigste Studie zum Thema stammt vom Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM) um Dr. Neal Barnard. In der randomisierten kontrollierten WAVS-Studie (Women’s Study for the Alleviation of Vasomotor Symptoms) wurden postmenopausale Frauen mit mindestens zwei Hitzewallungen pro Tag in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe stellte ihre Ernährung auf eine fettarme, vegane Kost mit einer halben Tasse gekochter Sojabohnen täglich um. Die Kontrollgruppe änderte nichts an ihrer Ernährung.

Das Ergebnis nach 12 Wochen war bemerkenswert:

  • Moderate bis schwere Hitzewallungen sanken um 84 % in der Interventionsgruppe (Barnard et al., Menopause, 2021)
  • 79 % weniger Hitzewallungen insgesamt gegenüber 49 % in der Kontrollgruppe
  • 59 % der Teilnehmerinnen wurden komplett frei von moderaten und schweren Hitzewallungen
  • Die Lebensqualität verbesserte sich signifikant in allen vier Bereichen: vasomotorisch, psychosozial, körperlich und sexuell

Soja: Der Schlüssel liegt in den Isoflavonen

Sojabohnen enthalten Isoflavone — pflanzliche Verbindungen, die strukturell dem Östrogen ähneln und als Phytoöstrogene wirken. Im Körper binden sie an Östrogenrezeptoren und können so den sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren teilweise ausgleichen.

Besonders relevant ist das Isoflavon Equol, das von bestimmten Darmbakterien aus dem Soja-Isoflavon Daidzein gebildet wird. Studien deuten darauf hin, dass etwa 30–50 % der westlichen Bevölkerung Equol produzieren können — bei Menschen mit regelmäßigem Sojakonsum ist dieser Anteil deutlich höher (Setchell et al., The Journal of Nutrition, 2002).

Wenn du mehr über die Bedeutung eines gesunden Darmmikrobioms erfahren möchtest, lies auch unseren Artikel über pflanzliche Ernährung und Gesundheit.

Sekundäranalyse 2025: Auch verarbeitete Sojaprodukte wirken

Eine im September 2025 im Fachjournal Menopause veröffentlichte Sekundäranalyse der WAVS-Daten untersuchte, ob der Verarbeitungsgrad der pflanzlichen Lebensmittel eine Rolle spielt. Das Ergebnis: Sowohl hochverarbeitete als auch minimal verarbeitete pflanzliche Lebensmittel führten zu einer signifikanten Reduktion der Hitzewallungen und des Körpergewichts.

Dr. Stephanie Faubion, medizinische Direktorin der Menopause Society, kommentierte: „Diese Studie unterstreicht die positiven Effekte einer pflanzlichen Ernährung, die reich an Soja ist — unabhängig vom Verarbeitungsgrad — in Bezug auf Hitzewallungen und Gewichtsmanagement.”

Welche Sojaprodukte eignen sich?

Nicht alle Sojaprodukte sind gleich. Für eine gezielte Aufnahme von Isoflavonen eignen sich besonders:

  • Ganze Sojabohnen (Edamame) — die höchste Isoflavon-Dichte
  • Tempeh — fermentiertes Soja, besonders gut verdaulich
  • Tofu — vielseitig einsetzbar, gute Isoflavon-Quelle
  • Sojamilch (aus ganzen Bohnen) — einfach im Alltag zu integrieren
  • Miso — fermentiert, gut für die Darmgesundheit

Weniger geeignet sind Sojaprotein-Isolate und stark verarbeitete Produkte, da sie oft geringere Isoflavon-Gehalte aufweisen.

Wenn du nach Rezeptideen mit Soja suchst, probiere unsere Buddha Bowl mit Tahini oder den Gemüse Pad Thai — beide lassen sich hervorragend mit Tofu oder Tempeh zubereiten.

Weitere Vorteile pflanzlicher Ernährung in den Wechseljahren

Neben der Linderung von Hitzewallungen bietet eine pflanzliche Ernährung in den Wechseljahren weitere Vorteile:

Gewichtsmanagement

In der WAVS-Studie verlor die vegane Gruppe durchschnittlich 3,6 kg in 12 Wochen, während die Kontrollgruppe nur 0,2 kg abnahm. Das ist besonders relevant, da viele Frauen in den Wechseljahren mit einer Gewichtszunahme kämpfen.

Knochengesundheit

Kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel wie Grünkohl, Brokkoli, Sesam und angereicherte Pflanzenmilch unterstützen die Knochengesundheit. Die DGE empfiehlt eine tägliche Kalziumzufuhr von 1.000 mg — erreichbar auch ohne Milchprodukte.

Herz-Kreislauf-Schutz

Mit den Wechseljahren steigt das kardiovaskuläre Risiko. Pflanzliche Ernährung senkt nachweislich LDL-Cholesterin und Blutdruck — zwei zentrale Risikofaktoren (Yokoyama et al., JAMA Internal Medicine, 2014).

Worauf du achten solltest

Eine pflanzliche Ernährung in den Wechseljahren sollte gut geplant sein. Achte besonders auf:

  • Vitamin B12 — supplementieren, da es in pflanzlicher Nahrung nicht vorkommt (mehr dazu hier)
  • Vitamin D — besonders wichtig für die Knochengesundheit, Supplementierung im Winter empfohlen
  • Omega-3-Fettsäuren — über Leinöl, Walnüsse oder Algenöl abdecken
  • Eisen — der Bedarf sinkt nach der Menopause, ist aber weiterhin wichtig (Eisenquellen)

Einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Nährstoffe findest du in unserem Ratgeber Nährstoffe.

Fazit

Die Forschung ist eindeutig: Eine fettarme, pflanzliche Ernährung mit regelmäßigem Sojakonsum kann Wechseljahresbeschwerden signifikant lindern — in manchen Fällen vergleichbar mit einer Hormontherapie. Dabei handelt es sich nicht um Alternativmedizin, sondern um Ergebnisse randomisierter kontrollierter Studien, dem Goldstandard der Medizin.

Wenn du unter Hitzewallungen leidest, ist es einen Versuch wert, für 12 Wochen auf eine pflanzliche Ernährung mit täglichem Sojakonsum umzusteigen. Der Einstieg in die vegane Ernährung muss dabei nicht kompliziert sein.

Quellen

  • Barnard, N. D. et al. (2021). The Women’s Study for the Alleviation of Vasomotor Symptoms (WAVS): a randomized, controlled trial of a plant-based diet and whole soybeans for postmenopausal women. Menopause, 28(10), 1150–1156.
  • Barnard, N. D. et al. (2025). Processed foods in the context of a vegan diet, and changes in body weight and severe hot flashes in postmenopausal women: a secondary analysis of a randomized clinical trial. Menopause, 32(9).
  • Setchell, K. D. R. et al. (2002). S-equol, a potent ligand for estrogen receptor β, is the exclusive enantiomeric form of the soy isoflavone metabolite produced by human intestinal bacterial flora. The American Journal of Clinical Nutrition, 76(5), 1072–1079.
  • Yokoyama, Y. et al. (2014). Vegetarian diets and blood pressure: a meta-analysis. JAMA Internal Medicine, 174(4), 577–587.

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