Tofu vs. Tempeh: Protein, Fermentation, Verdaulichkeit und Zubereitung im direkten Vergleich
Tofu und Tempeh beginnen beide mit derselben Zutat: der Sojabohne. Und trotzdem landen am Ende zwei grundverschiedene Lebensmittel auf deinem Teller — mit eigenem Charakter, eigenen Stärken und eigenen Lieblingsrollen in der Küche. Wer beide kennt, kocht abwechslungsreicher und deckt seine Nährstoffe entspannter. Hier ist der direkte Vergleich: Protein, Fermentation, Verdaulichkeit und Zubereitung.
Zwei Wege von der Bohne zum Block
Der Unterschied beginnt bei der Herstellung. Tofu entsteht aus Sojamilch: Sie wird mit einem Gerinnungsmittel zum Stocken gebracht — ganz ähnlich wie Milch beim Käsen — und dann in Form gepresst. Die faserreichen Bestandteile der Bohne bleiben dabei größtenteils außen vor. Das Ergebnis ist mild, neutral und formbar.
Tempeh geht den umgekehrten Weg: Hier werden ganze gekochte Sojabohnen mit einem Edelschimmelpilz fermentiert. Der Pilz durchzieht die Bohnen mit einem feinen weißen Geflecht und verbindet sie zu einem festen, schnittfesten Kuchen — eine Technik, die aus Indonesien stammt und dort seit Jahrhunderten Alltag ist. Weil die ganze Bohne drinsteckt, ist Tempeh von Natur aus bissfester, nussiger und nährstoffdichter.
Protein: Tempeh liegt vorn — beide liefern Qualität
Beim Blick auf die Zahlen führt Tempeh: 20,3 g Protein pro 100 g gegenüber 17,3 g bei festem Naturtofu. Beide liefern dabei Sojaprotein mit allen essenziellen Aminosäuren und hoher biologischer Wertigkeit — also genau die Sorte Protein, aus der dein Körper problemlos Muskeln, Enzyme und Gewebe baut.
Zur Einordnung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht — bei 70 kg also rund 56 g am Tag. Eine 200-g-Portion Tempeh bringt davon gut 40 g, dieselbe Portion Tofu knapp 35 g. Beide sind damit Schwergewichte unter den pflanzlichen Proteinquellen; der Unterschied entscheidet keinen Alltag, aber wenn du gezielt Protein sammelst, hat Tempeh die Nase vorn.
Fermentation und Verdaulichkeit: Tempehs Geheimwaffe — und Tofus stille Stärke
Die Fermentation ist mehr als ein Herstellungsschritt, sie ist Tempehs ernährungsphysiologischer Trumpf. Der Pilz beginnt schon vor dem Kochen mit der Arbeit, die sonst dein Verdauungssystem leisten müsste: Er baut unter anderem Phytinsäure ab — einen natürlichen Pflanzenstoff, der Mineralstoffe wie Eisen, Zink und Magnesium bindet. Weniger Phytinsäure heißt: Dein Körper kommt an diese Mineralstoffe besser heran. Gleichzeitig gilt Tempeh gerade wegen dieser „Vorverdauung” als besonders bekömmlich. Wichtig zu wissen: Tempeh wird immer erhitzt gegessen — sein Vorteil liegt in dem, was die Fermentation mit der Bohne gemacht hat, nicht in lebenden Kulturen auf dem Teller. Mehr zur Welt der fermentierten Lebensmittel liest du in unserem Beitrag über Fermentation in der pflanzlichen Küche.
Tofu kontert mit seiner eigenen Form der Sanftheit: Weil die Faserstoffe der Bohne bei der Herstellung größtenteils entfernt werden, ist er ausgesprochen mild zum Verdauungssystem — ein Pluspunkt für alle, die auf große Hülsenfrucht-Portionen empfindlich reagieren, und ein Grund, warum Tofu in so vielen Küchen der Welt als leichte Proteinbasis geschätzt wird.
Die Nährwerte im direkten Vergleich
| Pro 100 g | Tofu (fest, natur) | Tempeh |
|---|---|---|
| Kalorien | 144 kcal | 192 kcal |
| Protein | 17,3 g | 20,3 g |
| Ballaststoffe | 2,3 g | ca. 5–9 g** |
| Calcium | 683 mg* | 111 mg |
| Magnesium | 58 mg | 81 mg |
*USDA-Wert für mit Calciumsulfat hergestellten festen Tofu (roh) — hiesige Produkte schwanken je nach Herstellung deutlich, und mit Nigari (Magnesiumchlorid) geronnener Tofu enthält erheblich weniger. Ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle lohnt sich.
**Für Tempeh weist die USDA-Datenbank keinen Ballaststoffwert aus; gängige Lebensmitteltabellen und Herstellerangaben liegen bei etwa 5 bis 9 g pro 100 g.
Zwei Werte stechen heraus. Erstens die Ballaststoffe: Mit rund 5 bis 9 g pro 100 g liegt Tempeh um ein Mehrfaches über Tofu — logisch, denn in ihm steckt die ganze Bohne. Zweitens das Calcium: Calciumsulfat-gefällter Tofu deckt mit 100 g laut USDA-Wert rund zwei Drittel des DGE-Tagesbedarfs von 1000 mg und gehört damit zu den besten pflanzlichen Calciumquellen überhaupt — hiesige Produkte liegen je nach Herstellung oft niedriger. Beim Magnesium liegt wiederum Tempeh leicht vorn.
Zubereitung: So glänzen beide
Tofu lebt von der Vorbereitung: Festen Naturtofu 15 bis 30 Minuten zwischen zwei Brettchen auspressen, dann marinieren oder in Stärke wenden und in der heißen Pfanne goldbraun braten — so wird er außen knusprig und nimmt Geschmack an. Welcher Tofu wofür gemacht ist, vom Seidentofu bis zum Räuchertofu, zeigt dir unser Tofu-Arten-Überblick.
Tempeh braucht weniger Technik, aber einen Handgriff: Vor dem Würzen etwa 5 Minuten in Salzwasser blanchieren — das mildert die leicht bittere Note und öffnet ihn für Marinaden. Danach in Scheiben kräftig anbraten, in Würfeln ins Curry geben oder süß-scharf glasieren; sein nussig-erdiger Geschmack liebt kräftige Saucen.
Fazit: Kein Entweder-oder
Tofu und Tempeh sind kein Duell, sondern ein Team. Tofu ist der neutrale Formwandler mit dem Calcium-Bonus, Tempeh das bissfeste Kraftpaket mit Protein-, Ballaststoff- und Fermentationsvorteil. Wer beide im Wechsel einsetzt, holt sich das Beste aus der Sojabohne — zweimal.
Geprüfte Quellen (4)
Jede Quelle verweist auf die Originalarbeit. PubMed- und DOI-Links werden vor jeder Veröffentlichung automatisiert geprüft.
- USDA FoodData Central — Tofu, raw, firm, prepared with calcium sulfate — USDA FoodData Central · 2019
- USDA FoodData Central — Tempeh — USDA FoodData Central · 2019
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Protein — Deutsche Gesellschaft für Ernährung · 2021
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Calcium — Deutsche Gesellschaft für Ernährung · 2021
Häufige Fragen
Was hat mehr Protein — Tofu oder Tempeh?
Kann ich Tempeh roh essen?
Ist Tempeh gesünder als Tofu?
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